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Operation Entebbe
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Die Operation Entebbe, Operation Thunderbolt oder Operation Yonatan (Mivtsa Yonatan) war eine militĂ€rische Befreiungsaktion in der Nacht zum 4. Juli 1976 auf dem Flughafen von Entebbe in Uganda, mit der israelische SicherheitskrĂ€fte die einwöchige EntfĂŒhrung eines Passagierflugzeugs der Air France durch palĂ€stinensische und deutsche Terroristen beendeten.

Die israelischen Elitesoldaten wurden unerkannt nach Entebbe eingeflogen, wo sie sich insgesamt nur 90 Minuten aufhielten. 102 ĂŒberwiegend israelische Geiseln, einschließlich der Air-France-Besatzung, wurden schließlich mit einem Zwischenstopp in Kenia nach Israel ausgeflogen. Bei der Befreiungsaktion wurden alle sieben anwesenden Geiselnehmer getötet. Drei der zuletzt noch 105 Geiseln, etwa 20 ugandische Soldaten sowie der Oberstleutnant Jonathan Netanjahu der israelischen EinsatzkrĂ€fte kamen bei Feuergefechten ums Leben. Die in einem Krankenhaus der nahen Hauptstadt Kampala verbliebene Geisel Dora Bloch wurde spĂ€ter von ugandischen Offiziellen entfĂŒhrt und ermordet.

Als Vergeltung fĂŒr die UnterstĂŒtzung Kenias fĂŒr die israelische Befreiungsaktion ließ der Diktator Idi Amin mehrere hundert in Uganda lebende Kenianer ermorden. Die ugandischen Behörden hatten die Terroristen unterstĂŒtzt, Amin begrĂŒĂŸte sie nach ihrem Eintreffen persönlich.cite-ref-ube-1-0[1] Von den 253 Passagieren wurden alle 77 israelischen sowie fĂŒnf weitere Geiseln von den Terroristen ausgesondert,cite-ref-2[2] wĂ€hrend die ĂŒbrigen bis auf zehn junge Franzosen freigelassen wurden.cite-ref-3[3]

Zu einer breiteren Debatte ĂŒber das VerhĂ€ltnis der Linken zu Antizionismus, Antisemitismus und den linksgerichteten Terrororganisationen RAF und RevolutionĂ€re Zellen kam es in Deutschland erst deutlich spĂ€ter.cite-ref-4[4] Die Aktion hatte Debatten im UN-Sicherheitsrat zur Folge und warf völkerrechtliche Fragen auf.

Contents

‱ Umsetzung
‱ Benennung
‱ Folgen
‱ Gedenken
‱ Spielfilme
‱ Videospiel
‱ Literatur
‱ Weblinks

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FlugzeugentfĂŒhrung

Vorgeschichte

Von 1968 an hatte sich innerhalb der militanten PalĂ€stinensergruppe Volksfront zur Befreiung PalĂ€stinas die EntfĂŒhrung von Passagierflugzeugen als neue terroristische Operationsform durchgesetzt, die zugleich innerhalb der PalĂ€stinenserbewegung umstritten war. Insbesondere die seit 1972 unabhĂ€ngig agierende Abspaltung Volksfront zur Befreiung PalĂ€stinas – AuswĂ€rtige Operationen (Popular Front for the Liberation of Palestine – External Operations, PFLP-EO) setzte aber verstĂ€rkt auf dieses Mittel. Zwischen 1968 und 1977 wurde die PFLP–EO von dem fĂŒr zahlreiche FlugzeugentfĂŒhrungen verantwortlichen Wadi Haddad angefĂŒhrt.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]

Die Mitte 1972 gegrĂŒndete deutsche Terrorgruppe RevolutionĂ€re Zellen (RZ) erwog schon frĂŒh FlugzeugentfĂŒhrungen nach palĂ€stinensischem Vorbild als Mittel zur Befreiung der restlos in Gefangenschaft befindlichen FĂŒhrungsebene aus der ersten Generation der Rote Armee Fraktion. SpĂ€testens von 1974 an bestanden enge Verbindungen zwischen RZ und PFLP-EO, wie sich aus der zunehmenden Verwendung palĂ€stinensischer Namen fĂŒr die Terroraktionen der RZ ablesen lĂ€sst. Parallel warben die RZ in der linksterroristischen Szene der Bundesrepublik fĂŒr FlugzeugentfĂŒhrungen, stießen dabei aber auf wenig UnterstĂŒtzung. SpĂ€testens Anfang 1976 waren die RZ-Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann in die Hierarchie der PFLP-EO eingebunden. Unmittelbarer Auslöser fĂŒr die FlugzeugentfĂŒhrung von Entebbe war ein gescheiterter Anschlag auf ein El-Al-Flugzeug am 25. Januar 1976. Dabei nahm der israelische Geheimdienst ein fĂŒnfköpfiges palĂ€stinensisch-deutsches Kommando fest. Daraufhin begannen PFLP-EO und RZ die Vorbereitung einer weiteren FlugzeugentfĂŒhrung.cite-ref-7[7]

Umsetzung

Am Vormittag des 27. Juni 1976 wurde der Flug 139 der Air France, der von Tel Aviv ĂŒber Athen nach Paris fĂŒhren sollte, kurz nach dem Start in Athen entfĂŒhrt. Noch in der Luft wurden die AusgĂ€nge des Flugzeugs mit SprengsĂ€tzen versehen und Ausweisdokumente der Passagiere eingesammelt. Die Trennung von israelischen und anderen Passagieren begann ebenfalls wĂ€hrend des ersten Flugabschnitts.cite-ref-8[8] Die mit 12 Personen Besatzung und 258 FluggĂ€sten besetzte Maschine vom Typ Airbus A300 wurde zum Flughafen Bengasi in Libyen umgeleitet, wo sie nach drei Stunden Flugzeit ankam und sich mehr als sechs Stunden aufhielt. Eine Passagierin fĂŒgte sich selbst eine blutende Unterleibsverletzung zu und gab akute Schwangerschaftskomplikationen vor, woraufhin die Luftpiraten sie als einzige Geisel in Bengasi freiließen.cite-ref-9[9] Das Flugzeug wurde aufgetankt und startete, ohne dass der Pilot ĂŒber das Flugziel informiert wurde.cite-ref-10[10] Der lange Aufenthalt in Bengasi hing offenbar mit Kommunikationsproblemen zwischen den EntfĂŒhrern und dem PFLP–EO–Kommandeur Wadi Haddad zusammen.cite-ref-11[11] Nach fĂŒnfstĂŒndigem Flug und einer abgelehnten Landeanfrage im sudanesischen Khartumcite-ref-12[12] landete es schließlich am Morgen des 28. Juni auf dem Flughafen Entebbe in der NĂ€he von Kampala, der Hauptstadt Ugandas.cite-ref-13[13]

Die EntfĂŒhrer waren zweicite-ref-14[14] Terroristen der PFLP-EO sowie Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, zwei GrĂŒndungsmitglieder der RevolutionĂ€ren Zellen. Sie nannten ihre Einheit zu Ehren des im Gefecht mit israelischen Soldaten getöteten PFLP-KĂ€mpfers Mohammad al-Aswad (1946–1973)cite-ref-15[15] „Kommando Guevara (von) Gaza“.cite-ref-16[16] Das Quartett, das gemeinsam mit weiteren Passagieren in Athen zugestiegen war, war mit im BordgepĂ€ck mitgefĂŒhrten Schusswaffen, Handgranaten und Sprengstoff bewaffnet. AnfĂŒhrer des Kommandos war Böse, der sich den Passagieren vom Cockpit aus unter dem Decknamen „Basil al-Kubaisy“ (nach einem 1973 ermordeten FĂŒhrungsmitglied der PFLP) als neuer KapitĂ€n des Flugzeugs vorstellte, das nun in Haifa umbenannt wurde.cite-ref-17[17] Die 1948 Teil Israels gewordene KĂŒstenstadt war nach Aussage einer israelischen Geisel Geburtsort eines der beiden palĂ€stinensischen EntfĂŒhrercite-ref-18[18] und Heimat Haddads. Am Flughafen Entebbe schlossen sich den vier EntfĂŒhrern weitere bewaffnete KĂ€mpfer der PFLP-EO an.cite-ref-berg-19-0[19] Fais Dschaber – bereits seit PFLP-GrĂŒndung enger Vertrauter Haddads – ĂŒbernahm von Böse die Befehlsgewalt.cite-ref-20[20]

Inwieweit der 1971 mit israelischer Hilfe an die Macht gelangte Idi Amin,cite-ref-21[21] der sich 1972 zum scharfen Kritiker Israels gewandelt hatte,cite-ref-22[22] nicht bloß als spontan eingetretener Vermittler, sondern als eingeweihter UnterstĂŒtzer der Geiselnehmer agierte, ist umstritten. Israel warf Amin spĂ€ter vor, vor dem Eintreffen der Air-France-Maschine seien auf seine Veranlassung fĂŒnf Terroristen mit seinem persönlichen Flugzeug zur VerstĂ€rkung nach Entebbe geflogen worden. Amin selbst gab an, nicht vorab ĂŒber die Geiselnahme informiert gewesen zu sein und die Landegenehmigung aus humanitĂ€ren GrĂŒnden angesichts eines wegen Treibstoffmangels andernfalls drohenden Absturzes erteilt zu haben.cite-ref-23[23] Eine von Journalisten der Zeitung Le Monde erstellte Auswertung von Akten der französischen Botschaft in Uganda, die 2016 nach vierzigjĂ€hriger Sperrfrist freigegeben wurden, stĂŒtzt diese Position.cite-ref-monde-24-0[24] Andererseits deuteten mehrere Geiseln die Tatsache, dass die Terroristen sich in Anwesenheit zahlreicher ugandischer Soldaten auf dem FlughafengelĂ€nde zahlenmĂ€ĂŸig verstĂ€rken, mit zusĂ€tzlichen Waffen versorgen und ungehindert bewegen konnten, als Anzeichen fĂŒr eine vorherige Absprache.cite-ref-25[25]

Das Flugzeug wurde in den Ă€lteren Teil des Flughafens dirigiert und von ugandischen Truppen umstellt. Zugleich rief die ugandische Armee auf Befehl Idi Amins den örtlichen Vertreter der PalĂ€stinensischen Befreiungsorganisation hinzu, der kurz darauf im Kontrollturm des Flughafens anwesend war und im Verlauf des Morgens mit den EntfĂŒhrern sprach, von diesen aber nicht als Verhandlungspartner akzeptiert wurde. Im Verlauf des Vormittags erreichten die Ugander und der inzwischen persönlich eingetroffene Idi Amin schließlich, dass die Insassen aus dem aufgeheizten Flugzeug in die alte Transithalle des Terminals wechseln konnten. Dort stießen kurz darauf drei weitere PalĂ€stinenser zu den EntfĂŒhrern, was diesen ermöglichte, sich bei der Bewachung der Geiseln abzuwechseln und in Schichten zu schlafen.cite-ref-26[26]

Mit der FlugzeugentfĂŒhrung sollte die Freilassung von insgesamt 53 Inhaftierten aus GefĂ€ngnissen in Israel, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz erpresst werden. Darunter waren Mitglieder der Rote Armee Fraktion, der Bewegung 2. Juni sowie Kƍzƍ Okamoto von der Japanischen Roten Armee. Aus Sicht der RevolutionĂ€ren Zellen war das strategische Ziel, den Kampf verschiedener internationaler Stadtguerillagruppen auf eine internationale Ebene zu heben, nachdem jeweils nationale Aktionen nicht die erhoffte Befreiung von Gesinnungsgenossen erreicht hatten.cite-ref-27[27] Außerdem forderten die EntfĂŒhrer fĂŒnf Millionen US-Dollar von der französischen Regierung fĂŒr die RĂŒckgabe des Flugzeuges.

Trennung der jĂŒdischen von den nichtjĂŒdischen Geiseln

In der Transithalle „selektierten“ die Terroristen die jĂŒdischen Passagiere von den anderen.cite-ref-28[28] Neben den israelischen StaatsbĂŒrgern waren dies 22 Franzosen, ein Staatenlosercite-ref-29[29] sowie das amerikanische Ehepaar Karfunkel, ungarisch-jĂŒdischer Herkunft.cite-ref-30[30] Die ĂŒbrigen Geiseln wurden freigelassen. Die verbliebenen Geiseln ohne israelischen Pass wurden aufgrund ihrer vermeintlich jĂŒdischen Namen oder anderer Indizien – teilweise fĂ€lschlich – als Juden identifiziert. Diese Selektion wurde von den deutschen Terroristen Böse und Kuhlmann ĂŒbernommen.cite-ref-31[31] Als ein HolocaustĂŒberlebender Böse dabei seine eintĂ€towierte HĂ€ftlingsnummer zeigte und ihn so an die Selektion in den Konzentrationslagern erinnerte, erwiderte Böse auf den darin implizierten Vorwurf, er sei kein Nazi, sondern Idealist.cite-ref-dt-1977-32-0[32]

Aufgrund der AnkĂŒndigung der EntfĂŒhrer, dass die Flugzeugbesatzung und zunĂ€chst 47 der nicht-israelischen Passagiere freikommen wĂŒrden und in ein anderes Air-France-Flugzeug umsteigen dĂŒrften, flog ein solches nach Entebbe. Michel Bacos, der entfĂŒhrte FlugkapitĂ€n des Flugs 139, besprach sich zunĂ€chst mit den 11 Mitgliedern seiner Besatzung und verkĂŒndete Böse anschließend, dass alle Passagiere seiner Verantwortung unterlĂ€gen, weshalb die Besatzung und er keine Passagiere zurĂŒcklassen könnten, sondern bei ihnen bleiben mĂŒssten, was Böse akzeptierte.cite-ref-33[33] SpĂ€ter wurde Bacos vom französischen StaatsprĂ€sidenten der Orden der Ehrenlegion verliehen, und er erhielt Ehrungen des Staates Israel und verschiedener jĂŒdischer Organisationen.cite-ref-34[34] Die anderen Mitglieder der Flugzeugbesatzung wurden ebenfalls ausgezeichnet.cite-ref-flight-35-0[35] Eine französische Nonne weigerte sich ebenfalls zu gehen und wollte den Platz einer jĂŒdischen Geisel ĂŒbernehmen, wurde aber von ugandischen Soldaten in das wartende Air-France-Flugzeug gezwungen.

Weiterer Verlauf der EntfĂŒhrung

Am 30. Juni erfĂŒllte die ugandische Seite die Forderung der EntfĂŒhrer, den somalischen Botschafter in Uganda als deren Sprecher anzuerkennen. An diesem Tag traf auch Wadi Haddad aus Somalia kommend in Entebbe ein. FĂŒr die Ugander fĂŒhrte Idi Amin die Verhandlungen. Die Terroristen drohten zunĂ€chst fĂŒr den 30. Juni, dann fĂŒr den 1. Juli, 12 Uhr, und schließlich fĂŒr den 4. Juli, 11 Uhr, die Sprengung des Flugzeugs an, wenn ihre Forderungen nicht erfĂŒllt wĂŒrden.cite-ref-36[36]

Befreiungsaktion des israelischen MilitÀrs

Vorbereitungen

In Israel und vor Ort sowie in Paris bei den freigelassenen Geiseln sammelten das israelische MilitĂ€r und der Mossad mehrere Tage lang Informationen. Der Flughafen Entebbe war wenige Jahre zuvor von einer israelischen Firma erweitert worden, weshalb PlĂ€ne der Anlage verfĂŒgbar waren. Die freigelassenen Geiseln wurden intensiv befragt. Als wertvollste Quelle erwies sich ein französisch-jĂŒdischer ehemaliger Armeeoffizier, der sich an wesentliche Details der GebĂ€ude, der EntfĂŒhrer, ihrer Bewaffnung und ihrer Kooperation mit den ugandischen StreitkrĂ€ften erinnerte.cite-ref-37[37]cite-ref-timemagazine-38-0[38] Ein weiterer wichtiger Informant war der seit dem 30. Juni in Entebbe inkognito anwesende damalige Kommandeur der deutschen Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) Ulrich Wegener, der mit freigelassenen deutschen Geiseln sprach und mit der Arbeit israelischer Antiterroreinheiten vertraut war. Er gab Erkenntnisse aus seiner Arbeit an die israelische Seite weiter.cite-ref-39[39]

Die Israelis entwarfen PlĂ€ne fĂŒr ein Eingreifen und bauten Teile der Halle nach. Schließlich flogen am 4. Juli vier israelische Hercules-Transportflugzeuge, in Begleitung von Phantom-Jets der israelischen LuftstreitkrĂ€fte im Tiefflug nach Entebbe und landeten nachts auf dem Flughafen. Ihnen folgten zwei Boeing 707, eine als Einsatzzentrale, die andere mit medizinischen Einrichtungen, die zum Flughafen von Nairobi in Kenia flogen.

Die Einsatztruppe von insgesamt etwa hundert Mann bestand aus einer Stabseinheit unter Leitung von Brigadegeneral Dan Schomron und zugehörigen Kommunikations- und UnterstĂŒtzungstruppen, einer Eingreiftruppe von 29 Mann unter Leitung von Oberstleutnant Yonatan Netanyahu, darunter Soldaten der Sajeret Matkal in verschiedenen Gruppen unter Major Moshe Betser und Matan Vilnai sowie einer VerstĂ€rkungstruppe, die fĂŒr die Sicherung der Umgebung, die Zerstörung der MiG-JĂ€ger der ugandischen Luftwaffe, die Sicherung der Übernahme der Geiseln und die Betankung der Flugzeuge zustĂ€ndig war.

Ablauf der Aktion

Das erste Flugzeug identifizierte sich ĂŒber Funk als eine Linienmaschine, die auf dem Flughafen tatsĂ€chlich wenig spĂ€ter erwartet wurde; so konnte es zunĂ€chst unerkannt landen und in einen entlegenen Teil des Flugfeldes rollen. Die Lufthansa hatte einen planmĂ€ĂŸigen Flug gestrichen, weswegen die ugandische Regierung der bundesdeutschen Botschaft in Kampala nach der Aktion Mitwisserschaft vorwarf.cite-ref-monde-24-1[24]cite-ref-40[40]

Im Schutz der Dunkelheit wurden um 1 Uhr ein schwarzer Mercedes 220D und einige Landrover entladen. Man wollte damit die Landung eines hohen ugandischen Offiziellen oder Amins selbst vortĂ€uschen. Das israelische Kommando fuhr, eine Wagenkolonne Amins mit Mercedes 600 Staatskarosse imitierend, direkt zum HauptgebĂ€ude. Auf dieser Fahrt wurden zwei ugandische Wachsoldaten erschossen, die die Fahrzeuge anhalten wollten. Ugandische Truppen eröffneten ihrerseits das Feuer auf die Israelis, die das FlughafengebĂ€ude stĂŒrmten, wobei Oberstleutnant Yonatan Netanyahu, ein Bruder des spĂ€teren israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu, erschossen wurde.cite-ref-berg-19-1[19]

Aus weiteren – nur Minuten spĂ€ter gelandeten – Lastflugzeugen wurden gepanzerte Fahrzeuge ausgeladen, mit denen der RĂŒckweg gesichert und die ugandischen Soldaten vor Ort bekĂ€mpft wurden. Die mit ugandischen Uniformen verkleidete Kommandoeinheit drang rasch in das HauptgebĂ€ude ein, in dem die 105 Geiseln festgehalten wurden.cite-ref-berg-19-2[19] Die israelischen KĂ€mpfer erstĂŒrmten das GebĂ€ude und schossen nach Befehl auf alle stehenden Personen. Die Kampfhandlungen dauerten weniger als eine Stunde; dabei starben alle sieben Geiselnehmer, drei Geiseln und mindestens zwanzig ugandische Soldaten. Über hundert Elitesoldaten der Sajeret Matkal und einige Mossad-Mitarbeiter waren an der Aktion beteiligt.

Da die Flugzeuge aufgetankt werden mussten, um Israel erreichen zu können, waren Pumpen an Bord, um die ugandischen Kerosintanks anzuzapfen. In Entebbe erhielten die Piloten die Nachricht, dass kenianische Behörden ihnen eine Zwischenlandung in Nairobi erlaubten und sie ihre Flugzeuge dort betanken konnten. Die Israelis zerstörten elf auf dem Flugfeld geparkte ugandische MiG-21-AbfangjĂ€ger, rund ein Viertel der LuftstreitkrĂ€fte Ugandas. Dann starteten sie mit den 102 befreiten Geiseln und flogen nach der Zwischenlandung in Nairobi (wo einige Geiseln von israelischen Ärzten behandelt wurden) nach Israel zurĂŒck.cite-ref-bbcon-41-0[41]

Benennung

Die meist nach dem Ort des Geschehens benannte MilitĂ€raktion hat im Deutschen keinen einheitlichen Namen. In Israel trug die Aktion ursprĂŒnglich den Decknamen Donnerschlag (hebrĂ€isch Ś›Ś“Ś•Śš Ś”ŚšŚąŚ kadur hara'am, englisch wörtlich „Thunderball“, hĂ€ufiger jedoch „Thunderbolt“), wurde nachtrĂ€glich aber zu Ehren des dabei ums Leben gekommenen Kommandanten Yonatan Netanyahu offiziell in Operation Yonatan (ŚžŚ‘ŚŠŚą ڙڕڠŚȘڟ, mivtsa yonatan) umbenannt.cite-ref-42[42]

Folgen

Die israelische Geisel Dora Bloch befand sich zum Zeitpunkt der Geiselbefreiung in einem Krankenhaus in Kampala; daher konnte sie durch die Operation Entebbe nicht erfasst werden. Sie wurde am folgenden Tag auf Befehl Amins von ugandischen Offiziellen ermordet; ebenso Ärzte und Schwestern, die sich fĂŒr sie einsetzten. Amin ließ auch mehrere Hundert in Uganda befindliche Kenianer umbringen, weil er vermutete, dass Kenia mit den Israelis kooperiert hatte.cite-ref-bbcon-41-1[41]

Am 21. Juli 1976 verkĂŒndete PrĂ€sident Amin die RĂŒckgabe des entfĂŒhrten Airbus; am nĂ€chsten Tag flog eine hierfĂŒr eingeflogene Besatzung von Air France ihn nach Paris. Der Rumpf des Airbus hatte elf Löcher von Geschossen, die bei dem Feuergefecht dort eingeschlagen waren. Seine FlugfĂ€higkeit war dadurch nicht beeintrĂ€chtigt.cite-ref-43[43]

Völkerrechtliche Fragen

Im UN-Sicherheitsrat verlangten die afroarabischen und sozialistischen Staaten eine Sondersitzung wegen der Verletzung der SouverĂ€nitĂ€t Ugandas. Der UN-GeneralsekretĂ€r Kurt Waldheim bezeichnete die Aktion als „ernste Verletzung der SouverĂ€nitĂ€t eines Mitgliedsstaates“, begrĂŒĂŸte jedoch den Ausgang der Operation.cite-ref-44[44]

Die von einigen Staaten wie Tansania nie anerkannte Regierung Ugandas verstieß mit ihrer UnterstĂŒtzung der Terroristen unter anderem gegen das Haager ICAO-Übereinkommen zur BekĂ€mpfung der widerrechtlichen Inbesitznahme von Luftfahrzeugencite-ref-45[45] und gegen die Mindestvorgaben des Umganges mit fremden Staatsangehörigen. Die meisten westlich orientierten Staaten mit Ausnahme Japans tolerierten die Aktion. Im UN-Sicherheitsrat gab es keine Mehrheit fĂŒr eine ausdrĂŒckliche Verurteilung Israels.cite-ref-ube-1-1[1] Botschafter Chaim Herzog verteidigte den Einsatz, auf den man mit Fug und Recht stolz sei, vor dem UN-Sicherheitsrat als Ausdruck der Werte, fĂŒr die Israel stehe, fĂŒr MenschenwĂŒrde, das Menschenleben wie fĂŒr die menschliche Freiheit an sich.cite-ref-46[46]

We come with a simple message to the Council: we are proud of what we have done because we have demonstrated to the world that in a small country, in Israel’s circumstances, with which the members of this Council are by now all too familiar, the dignity of man, human life and human freedom constitute the highest values. We are proud not only because we have saved the lives of over a hundred innocent people—men, women and children—but because of the significance of our act for the cause of human freedom.

„Wir treten mit einer einfachen Botschaft an den Sicherheitsrat: Wir sind stolz auf das, was wir getan haben, weil wir der Welt gezeigt haben, dass in einem kleinen Land, in der Situation Israels, die den Mitgliedern dieses Rates nun allzu bekannt ist, die menschliche WĂŒrde, menschliches Leben und die Freiheit der Menschen höchste Werte darstellen. Wir sind nicht nur stolz, weil wir das Leben von ĂŒber hundert Unschuldigen – MĂ€nnern, Frauen und Kindern – gerettet haben, sondern aufgrund der Bedeutung unserer Tat fĂŒr das Anliegen der Freiheit der Menschen.“

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Chaim Herzog

Der Jurist Ulrich Beyerlin (1944–2015) sah das Vorgehen der israelischen StreitkrĂ€fte mangels eines bewaffneten Angriffs Ugandas gegen Israel nicht vom Recht zur Selbstverteidigung im Kriegsfall gedeckt. Ähnlich wie nach der Caroline/McLeod-AffĂ€re sowie der Operationen Dragon Rouge und Dragon Noir stellte sich bei der Operation Entebbe die Frage nach der Vereinbarkeit militĂ€rischer Schutzmaßnahmen eines Staates zugunsten seiner im Ausland angegriffenen BĂŒrger mit dem Völkerrecht und anderen RechtsansprĂŒchen unterhalb der Schwelle eines Krieges.cite-ref-ube-1-2[1]

Rezeption und Wirkungsgeschichte

Bei vielen Westdeutschen fĂŒhrte die Aktion in Entebbe zu einer lĂ€nger anhaltenden Israelbegeisterung. Dabei wurden auch Formulierungen wie Blitzkrieg verwendet, deren Bezug auf das deutsche MilitĂ€r in Deutschland selbst tabu gewesen wĂ€re und die deshalb spĂ€ter Anstoß erregten.cite-ref-49[49] Die uneingeschrĂ€nktecite-ref-ube-1-3[1] und nachhaltige UnterstĂŒtzung auf Regierungsebene trug zu einer deutlichen Verbesserung und Festigung der regierungsamtlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel bei, wĂ€hrend sich die israelischen Beziehungen zur DDR weiter verschlechterten.cite-ref-50[50]

Westdeutsche Kommentatoren betonten 1976 den erheblichen Druck, unter dem die bundesdeutschen Behörden angesichts der Verantwortung fĂŒr die von deutschen Terroristen bedrohten jĂŒdischen Geiseln gestanden hĂ€tten. Es wurde spekuliert, inwieweit die Bundesrepublik ohne das israelische Eingreifen das Freipressen der deutschen HĂ€ftlinge ohne erheblichen Gesichtsverlust hĂ€tte vermeiden können.

Die Zeit sprach von einem „kaum wiederholbaren GlĂŒcksfall“ fĂŒr die Bundesrepublik:

„Die Bundesregierung kam dabei ebenso glĂŒcklich aus dem Schneider. Ihre nachtrĂ€glich publizierte WillenserklĂ€rung, sie werde keinen hierzulande inhaftierten Terroristen im Austausch gegen israelische Geiseln freilassen, ließ sich allein unter der PrĂ€misse des Erfolges der Befreiungsaktion halten. Was hĂ€tten wir denn getan, was hĂ€tten wir tun sollen, wenn Israel genötigt gewesen wĂ€re, vierzig inhaftierte PalĂ€stinenser freizugeben, um seine Geiseln zu retten? HĂ€tten wir auf Kosten des Lebens der Juden, die zuvor ein deutscher Terrorist von anderen mit vorgehaltener Pistole selektierte, einen Austausch Ă  la Peter Lorenz verweigert, nur um fĂŒnf in deutschen GefĂ€ngnissen einsitzende Baader-Meinhof-Leute nicht hergeben zu mĂŒssen? Wir hĂ€tten das schwerlich ausgehalten.“cite-ref-51[51]

Eine rein „strategische“ ErklĂ€rung bot dagegen der Spiegel an:

„Geschickt zogen die EntfĂŒhrer das besondere VerhĂ€ltnis, das Deutsche und Juden miteinander verbindet, in ihr KalkĂŒl. Sie demonstrierten, nachdem sie einmal die Aufmerksamkeit der Welt auf ihre Aktion gerichtet sahen, GroßzĂŒgigkeit und ließen die Mehrzahl der Geiseln frei. Durch Deeskalation hofften sie, auch die Gegenseite zu Kompromissen bewegen zu können. Zugleich aber hielten sie sĂ€mtliche jĂŒdischen Passagiere zurĂŒck. Und sie kalkulierten offenbar genau ein, dass Bonn auf ihr Verlangen nach Freilassung von sechs westdeutschen HĂ€ftlingen eingehen mĂŒsste. Denn weder innenpolitisch noch vor der Weltöffentlichkeit könnten es sich gerade die Deutschen mit ihrer Vergangenheit leisten, wieder Mitverantwortung fĂŒr Mord an Juden zu tragen.“cite-ref-52[52]

DemgegenĂŒber hatte 1972 die Bundesrepublik die Terroristen, welche die Geiselnahme von MĂŒnchen ĂŒberlebt hatten, gegen erhebliche israelische Proteste nach einer FlugzeugentfĂŒhrung kurzerhand von Deutschland nach Tripolis ausgeflogen.cite-ref-53[53] 1977 war die Bundesregierung willens und fĂ€hig, eine gewaltsame Lösung des Geiseldramas in Mogadischu herbeizufĂŒhren, und nicht mehr bereit, abgeurteilte HĂ€ftlinge durch eine Geiselnahme freipressen zu lassen. Dazu hatte die Erfahrung aus der Operation Entebbe beigetragen, die nach eigenen Aussagen der damalige BGS-Beamte Ulrich Wegener, der erste Kommandeur der GSG 9, administrativ unterstĂŒtzt hatte.

Wiedergabe in den Medien

Die Ereignisse in Entebbe wurden unmittelbar in Literatur und Film aufgegriffen. Bereits acht Tage nach Befreiung der Geiseln veröffentlichte der israelische Verlag Keter-Press mit Operation Uganda von Uri Dan das erste Buch mit einer Auflage von 5.000 StĂŒck. Ebenfalls noch im Juli 1976 erschien im amerikanischen Verlag Bantam Books das Buch 90 Minuten in Entebbe von William Stevenson in den USA mit einer Startauflage von 330.000 Exemplaren, bei dem Uri Dan teilweise als Mitautor genannt wird. Bis Ende des Jahres erschienen insgesamt sieben BĂŒcher, die teilweise auch in verschiedene andere Sprachen ĂŒbersetzt wurden. So wurde Stevensons Werk noch im Sommer 1976 in deutschsprachiger Übersetzung vom Ullstein-Verlag herausgegeben.cite-ref-54[54] Mit Unternehmen Entebbe kam ebenfalls noch 1976 der erste Spielfilm weltweit in die Kinos. Im nĂ€chsten Jahr folgte mit 
 die keine Gnade kennen (Originaltitel: Raid on Entebbe) eine weitere Hollywood-Produktion. Ebenfalls 1977 erschien die israelische Produktion Operation Thunderbolt (Originaltitel: Mivtsa Jonatan) von Menahem Golan.cite-ref-55[55] Hierbei spielten die Akteure Shimon Peres, Jigal Allon und Jitzchak Rabin sich selbst als Darsteller, was den Anspruch an den dokumentarischen Charakter unterstrich.

Parallel war es nach dem Sechstagekrieg 1967 und dem Jom-Kippur-Krieg 1973 aufgrund der Bedrohungslage Israels zu einer stĂ€rkeren Einbeziehung des Holocaust in den GrĂŒndungsmythos des Staates Israel wie in die internationale Medienwelt gekommen.cite-ref-haf-56-0[56] Diese fĂŒhrte zu einer stĂ€rkeren Thematisierung der Judenvernichtung in internationalen Medien und Filmproduktionen und wurde ebenso bei den filmischen Wiedergaben der Operation Entebbe thematisiert.cite-ref-haf-56-1[56] In allen Verfilmungen wurde Böse jeweils von einem deutschen Schauspieler mit entsprechendem Akzent dargestellt, die Selektion der jĂŒdischen (nicht der israelischen) Geiseln, darunter eine HolocaustĂŒberlebende durch deutsche Terroristen als SchlĂŒsselszene interpretiert.

In den 1970er Jahren wurden Flugreisen zunehmend breiteren Bevölkerungsschichten zugĂ€nglich, gleichzeitig stieg die Anzahl der FlugzeugentfĂŒhrungen. WĂ€hrend sie anfangs zumeist durch Geiselaustausch beendet wurden, zeichnete sich mit Entebbe eine Tendenz zur Intervention ab, deren Stattfinden wie Erfolg in der westlichen Welt zunehmend begrĂŒĂŸt wurde.cite-ref-57[57] In Westdeutschland geriet Entebbe gegenĂŒber dem Geiseldrama der Landshut und dem Deutschen Herbst etwas in den Hintergrund. Eine deutsche filmische oder literarische Verarbeitung fand erst spĂ€ter statt. Thomas Ammann drehte 2010 eine ARTE-Dokumentation zum Themacite-ref-58[58]cite-ref-59[59] sowie die WDR-Dokumentation Operation Donnerschlag – Israel gegen deutsche Terroristencite-ref-60[60], die am 10. Januar 2012 auf ARTE gezeigt wurde.

Gedenken

Am Flughafen Entebbe erinnert seit 2005 eine israelisch-ugandische Gedenktafel an der Außenwand des ehemaligen TerminalgebĂ€udes an die Geschehnisse und den getöteten israelischen Leiter der Operation.cite-ref-61[61]

Die wÀhrend der Operation als fliegende Kommandozentrale genutzte Boeing 707 (4X-JYD) ist im Museum der israelischen Luftwaffe ausgestellt.

Es gab auch Kritik zu medialem und offiziellem Umgang bezĂŒglich der drei bei der Aktion ums Leben gekommenen Geiseln.cite-ref-62[62]

Kontroverse um Rolle Yonatan Netanyahus

In Israel kam es ab 1986 zu langwierigen öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen Moshe Betser und den BrĂŒdern Iddo und Benjamin Netanjahu.cite-ref-63[63] Betser warf dem inzwischen als Helden verehrten Yonatan Netanjahu im Nachhinein vor, die beiden Wachsoldaten, die seiner Afrikaerfahrung nach die Kolonne nicht ernsthaft gestoppt, sondern schlicht in Erwartung eines Offiziellen durchgewinkt hĂ€tten, im Eingangsbereich unnötigerweise erschossen zu haben. Er habe damit seinen eigenen Tod verursacht wie den Überraschungseffekt der Aktion unnötigerweise riskiert. Netanyahu war nur teilweise bei den Vorbereitungen anwesend gewesen,cite-ref-64[64] Betser sah Netanjahu daher auf ĂŒbertriebene Weise glorifiziert.cite-ref-65[65] Iddo Netanyahu verteidigte das Bild seines Bruders mit Buchveröffentlichungen, die der Darstellung Betsers, der historischen Kommission der israelischen StreitkrĂ€fte und anderer Historiker widersprachen.cite-ref-66[66]

Auswirkungen in der linken Szene

Hans-Joachim Klein, der 1975 als Terrorist der RevolutionĂ€ren Zellen (RZ) an der OPEC-Geiselnahme teilnahm, wĂ€hrend der er an der Ermordung dreier Menschen beteiligt war, tauchte kurz darauf unter. Er distanzierte sich 1977 von den RZ und warnte vor geplanten RZ-AnschlĂ€gen gegen die prominenten jĂŒdischen Vertreter Heinz Galinski und Ignaz Lipinski, Leiter der JĂŒdischen Gemeinde Frankfurt am Main.cite-ref-67[67]

Weitere Angehörige der Organisation begannen erst 1991 öffentlich Selbstkritik zu ĂŒben und im Rahmen des gewaltsamen Todes eines Mitglieds ihr VerhĂ€ltnis zu den PalĂ€stinensern zu hinterfragen:

„Anstatt wahrzunehmen, was uns vorgehalten wurde, nĂ€mlich dass wir als Organisation an einer Operation teilhatten, in deren Verlauf israelische StaatsbĂŒrger und jĂŒdische Passagiere anderer NationalitĂ€t ausgesondert und als Geisel genommen worden waren, beschĂ€ftigten wir uns vor allem mit dem militĂ€rischen Aspekt der Aktion und ihrer gewaltsamen Beendigung.“cite-ref-68[68]

Der ehemalige RAF-Terrorist Peter-JĂŒrgen Boock Ă€ußerte als ErklĂ€rung, dass RZ wie RAF ohne Hilfe der PalĂ€stinenser „von Mitte der siebziger bis Anfang der achtziger Jahre nicht mehr oder nur sehr bedingt aktionsfĂ€hig gewesen“ wĂ€ren.cite-ref-spiegelspecial-69-0[69]

Kein anderer von Deutschen verĂŒbter Terrorakt hat fĂŒr solche Irritationen gesorgt wie die „Selektion von Entebbe“.cite-ref-70[70] Der Publizist Henryk M. Broder bezeichnete die Operation Entebbe spĂ€ter als sein „privates Erweckungserlebnis,“ das zu seinem Bruch mit der radikalen Linken gefĂŒhrt habe.cite-ref-71[71] Auch Joschka Fischer bezeichnete die „Selektion“ von Entebbe als entscheidenden Faktor seiner Abkehr von Gewalt und Militanz.cite-ref-72[72] Diese erste Selektion von Juden und Nichtjuden seit dem Zweiten Weltkrieg erinnerte weltweit an Auschwitz, ein Aufschrei innerhalb der radikalen Linken blieb aber aus.cite-ref-73[73]

Deutsche Linke blieben bis in die Gegenwart teilweise antizionistisch und antisemitisch eingestellt.cite-ref-74[74] 2004 wurde dies einschließlich der unterschiedlichen Reaktionen zu Entebbe bei einer Konferenz zum „Antisemitismus der Linken“ in der Hans-Böckler-Stiftung thematisiert.cite-ref-75[75]

Audiovisuelle Adaptionen

Spielfilme

‱ 1976: Unternehmen Entebbe (Victory At Entebbe), mit Richard Dreyfuss, Anthony Hopkins, Burt Lancaster, Elizabeth Taylor. Regisseur: Marvin J. Chomsky. Auf ein Aachener Kino, das diesen Film zeigte, verĂŒbten die RevolutionĂ€ren Zellen im Januar 1977 einen Brandanschlag.
‱ 1977: Operation Thunderbolt (Mivtsa Yonatan), mit Yehoram Gaon, Sybil Danning, Klaus Kinski. Regisseur: Menahem Golan
‱ 2018: 7 Tage in Entebbe (7 Days in Entebbe), mit Rosamund Pike, Daniel BrĂŒhl, Eddie Marsan. Regisseur: JosĂ© Padilha
‱ Auch der Film Der letzte König von Schottland (2006) mit Forest Whitaker behandelt in einigen Abschnitten das Unternehmen Entebbe, in dessen Rahmenhandlung die (frei erfundene) Geschichte der Hauptfigur eingewoben wurde.

Dokumentationen

‱ Eyal Sher: Operation Thunderbolt: Entebbe (2000), TV-Doku (52 Min.)
‱ Michael Greenspan: Against All Odds: Israel Survives – Rescue at Entebbe (2005), (26 Min.)
‱ Nissim Mossek: Im Fadenkreuz des Mossad. Goldas Rache, Unternehmen Entebbe, Operation Sphinx (2006), (142 Min.) (auf YouTube)
‱ Jim Nally: Situation Critical: Assault on Entebbe (2007), TV-Doku (48 Min.), National Geographic Channel
‱ Paul Taylor, Steve Condie: Age of Terror. Part 1: Terror International (deutscher Titel: Zeitalter des Terrors. Teil 1: Operation Entebbe)cite-ref-76[76] (2008), TV-Doku (59 Min.), BBC
‱ Thomas Ammann: Von Auschwitz nach Entebbe: Israels Kampf gegen den Terror. (2009), TV-Doku (50 Min.), ZDF/Arte. Leicht gekĂŒrzte Fassung: Operation Donnerschlag: Israels Kampf gegen den Terror (43 Min.).cite-ref-77[77]
‱ Eyal Boers: Live or Die in Entebbe (2012), Kino-Doku (52 Min.), mit thematischem Schwerpunkt auf die drei bei der Befreiungsaktion erschossenen israelischen Geiseln (Trailer, Interview mit dem Regisseur)
‱ Andrew Wainrib: Cohen on the Bridge: Rescue at Entebbe (2012), Animationsfilm (20 Min.)
‱ James Hyslop: Assault and Rescue: Operation Thunderball – The Entebbe Raid (2012), TV-Doku (43 Min.), Discovery Channel Canada
‱ Talya Tibbon: Black Ops: Operation Entebbe (2012), TV-Doku (45 Min.), The Military Channel (auf YouTube)
‱ Michaela Kolster und Martin Priess: Entebbe: Das unheilige Band des Terrors. (2018), TV-Doku (29 Min.), Phoenix (online abrufbar)

Videospiel

Die japanische Computerspiele-Firma Taito brachte 1988 mit Operation Thunderbolt ein von der Operation Entebbe inspiriertes Shoot ’em up auf den Markt. Es wurde ursprĂŒnglich an Arcade-Automaten gespieltcite-ref-78[78] und in spĂ€teren Jahren fĂŒr unterschiedliche Computerspiel-Formate vertrieben.

Literatur

‱ Bernhard Blumenau: The United Nations and Terrorism. Germany, Multilateralism, and Antiterrorism Efforts in the 1970s. Palgrave Macmillan, Basingstoke / New York 2014, ISBN 978-1-137-39196-4, Kapitel 2.
‱ Saul David: Operation Thunderbolt. Flight 139 and the Raid on Entebbe Airport. Hodder & Stoughton, London 2015, ISBN 978-1-4447-6251-8.
‱ Annette Vowinckel: Der kurze Weg nach Entebbe oder die VerlĂ€ngerung der deutschen Geschichte in den Nahen Osten. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History. 1 (2004), Heft 2, zeithistorische-forschungen.de
‱ Shelley Harten: Reenactment eines Traumas. Die Entebbe FlugzeugentfĂŒhrung 1976. Deutsche Terroristen in der israelischen Presse. Tectum, Marburg 2012, ISBN 978-3-8288-2853-7.
‱ Freia Anders, Alexander Sedlmaier: „Unternehmen Entebbe“ 1976. Quellenkritische Perspektiven auf eine FlugzeugentfĂŒhrung. (PDF) In: Jahrbuch fĂŒr Antisemitismusforschung, 22, 2013, S. 267–290.
‱ Markus Mohr (Hrsg.): Legenden um Entebbe. Ein Akt der Luftpiraterie und seine Dimensionen in der politischen Diskussion. Unrast, MĂŒnster 2016, ISBN 978-3-89771-587-5.
‱ Robert Wolff: Blinde Flecken, ErzĂ€hlungen, Mythen. Neue Perspektiven auf die FlugzeugentfĂŒhrung nach Entebbe 1976. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 71 (2023), Heft 3, S. 525–555.

Weblinks

Commons

: Operation Entebbe

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Ben Porat, Eitan Haber, Zeev Schiff: Streng Geheim – Unternehmen Thunderball: Die Geiselbefreiung in Entebbe. Serie. In: Der Spiegel, 44, 45, 46/1976. Teil I – Teil II – Teil III.
‱ Thomas Scheuer: Das letzte Geheimnis des Helden von Mogadischu. In: Focus, 27/2016.
‱ Hans Riebsamen: Schau zur Operation Entebbe: In schlechter deutscher Tradition. In: FAZ, 30. September 2016.
‱ Susanne Bressan: Die Selektion von Entebbe? Wer hat‘s erfunden? Zur Ausstellung in der BildungsstĂ€tte Anne Frank (Frankfurt am Main). In: haGalil, 30. November 2016.
‱ Roland Kaufhold: 40 Jahre nach Entebbe: Deutsche Linke, Erinnerungen an den Holocaust und Antizionismus. In: haGalil, 2. Februar 2017.
‱ Susanne Benöhr-Laqueur, Yael PulĂ«: Neuinterpretation – Uminterpretation – Missinterpretation. In: haGalil, 7. Februar 2017.

Einzelnachweise

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cite-note-33. ↑ Claude Moufflet: Otages a Kampala. S. 151.
cite-note-44. ↑ Roland Kaufhold: 40 Jahre nach Entebbe. Deutsche Linke, Erinnerungen an den Holocaust und Antizionismus. In: haGalil. 2017 (hagalil.com).
cite-note-55. ↑ Robin Bidwell: Dictionary Of Modern Arab History. Routledge, London / New York 2010, S. 167 (englisch).
cite-note-66. ↑ John W. Amos: Palestinian Resistance: Organization of a Nationalist Movement. Elsevier, Amsterdam 1980, S. 232 (englisch).
cite-note-77. ↑ Robert Wolff: Blinde Flecken, ErzĂ€hlungen, Mythen. Neue Perspektiven auf die FlugzeugentfĂŒhrung nach Entebbe 1976. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 71 (2023), Heft 3, S. 525–555, hier S. 540–544.
cite-note-88. ↑ Robert Wolff: Blinde Flecken, ErzĂ€hlungen, Mythen. Neue Perspektiven auf die FlugzeugentfĂŒhrung nach Entebbe 1976. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 71 (2023), Heft 3, S. 525–555, hier S. 544 f.
cite-note-99. ↑ Entebbe thirty years on: Mancunian on board. In: Jewish Telegraph Online von 2006, abgerufen am 11. August 2014 (englisch).
cite-note-1010. ↑ Markus Eikel: Keine „Atempause“. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Band 2, 2013, S. 239 ff.
cite-note-1111. ↑ Robert Wolff: Blinde Flecken, ErzĂ€hlungen, Mythen. Neue Perspektiven auf die FlugzeugentfĂŒhrung nach Entebbe 1976. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 71 (2023), Heft 3, S. 525–555, hier S. 545 f.
cite-note-1212. ↑ Robert Wolff: Blinde Flecken, ErzĂ€hlungen, Mythen. Neue Perspektiven auf die FlugzeugentfĂŒhrung nach Entebbe 1976. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte. Bd. 71 (2023), Heft 3, S. 525–555, hier S. 546.
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. (PDF; 10 Seiten) S. 1. In: Keesing’s Record of World Events. 1976 (englisch)
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cite-note-5555. ↑ Markus Mohr: Kampagne gegen einen »Hetzfilm« und der Entebbe-Strafprozess. In: Derselbe (Hrsg.): Legenden um Entebbe. Ein Akt der Luftpiraterie und seine Dimensionen in der politischen Diskussion. Unrast Verlag, 2016, S. 151–173, hier: S. 152–154.
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cite-note-6363. ↑ Caroline Glick: Our World: From Yoni to Gilad. In: Jerusalem Post, 4. Juli 2006 (englisch); abgerufen am 22. Juli 2014
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cite-note-6565. ↑ Josh Hamerman: Battling against 'the falsification of history'. Ynet News, 4. Februar 2007.
cite-note-6666. ↑ Uri Dromi: Still fighting over Entebbe. In: Haaretz, 2. November 2006 (englisch); abgerufen am 21. Juli 2014
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cite-note-6868. ↑ RevolutionĂ€re Zelle: Gerd Albartus ist tot. In: ID-Archiv im IISG/Amsterdam (Hrsg.): FrĂŒchte des Zorns. Texte und Materialien zur Geschichte der RevolutionĂ€ren Zellen und der Roten Zora. Edition ID-Archiv, Berlin 1993, ISBN 3-89408-023-X, S. 20–34. Dort datiert auf Dezember 1991, Gerd Albartus ist tot.
cite-note-spiegelspecial-6969. ↑ Gunther Latsch: Geschichte des Terrors: Eldorado der Linksguerilla. In: Spiegel Special, 29. Juni 2004. S. 89.
cite-note-7070. ↑ Matthias Brosch (Hrsg.): Exklusive SolidaritĂ€t. Linker Antisemitismus in Deutschland. Vom Idealismus zur Antiglobalisierungsbewegung. Metropol, 2007, ISBN 3-938690-28-3, S. 343.
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cite-note-7272. ↑ Dieser Weg musste beendet werden. In: Der Spiegel. Nr. 2, 2001 (online).
cite-note-7373. ↑ Gerhard Hanloser: Linksradikalismus und Israel. Antifaschismus und Revolutionismus als Tragödie und als Farce. In: Moshe Zuckermann (Hrsg.): Antisemitismus – Antizionismus – Israelkritik. Tel Aviver Jahrbuch fĂŒr deutsche Geschichte. Wallstein Verlag, 2005, ISBN 3-89244-872-8, S. 181–213, hier: S. 194.
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cite-note-7575. ↑ Zur Tagung: Matthias Brosch: Antisemitismus in der deutschen Linken. Tagung der Hans-Böckler-Stiftung vom 26. November 2004 bis 28. November 2004 in der IG Metall BildungsstĂ€tte Berlin / Pichelssee, 4. Oktober 2004, abgerufen am 11. Juli 2016.
cite-note-7676. ↑ Zeitalter des Terrors (1/4 bis 4/4). Phoenix Presseportal, zur Sendung am 12. April 2012; abgerufen am 12. August 2014.
cite-note-7777. ↑ Operation Donnerschlag – Israels Kampf gegen den Terror. Website der Produktionsfirma Prounen Film; abgerufen am 23. Juli 2014.
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